Goodbye BFBS Germany

Anfang des Monats war ich – wie wahrscheinlich auch viele Andere, die keine täglichen Updates aus der Welt der Radiosender bekommen – ziemlich überrascht, als ich – mangels akzeptabler Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender – meine langjährige Programmalternative BFBS einschalten wollte. Denn auf meinem Speicherplatz im Autoradio tönte mir statt “Drivetime with Lynn Duffus” eine dröge Stimme entgegen, die mit gelangweiltem Tonfall irgendwelche Bücher rezensierte.

Unterwegs im Kreis Wesel dauerte es eine Weile, bis mein RDS-Scanner erfreut verkündete, BFBS gefunden zu haben – auf FM 105.1 und mit einer Empfangsqualität, für die sich jeder Piratensender der 60er Jahre geschämt hätte. Zunächst also Erleichterung in meinem Radio: Bestimmt hat der Sender Langenberg nur technische Probleme. Sobald die behoben sind, wird BFBS schon wieder zurück auf die 96.5 MHz wechseln.

Doch weit gefehlt, denn auch in den nächsten Tagen fand ich BFBS auf mehreren Frequenzen, nicht jedoch auf der angestammten Frequenz, die ich seit über 20 Jahren auswendig kannte und die mich auf meinen Fahrten in NRW früher nie im Stich gelassen hatte.

Was war passiert? BFBS und BFG erklärten den Grund meiner Verzweiflung (- und nicht nur meiner, wie ich schon bald herausfinden konnte -). Durch den unerwartet zügig voranschreitenden Abzug der britischen Streitkräfte habe man sich mit der Bundesnetzagentur darauf geeinigt, das altbekannte Sendeslot auf dem Sender Langenberg abzugeben. Die Frequenz wurde dem Deutschland Radio Kultur zugeschlagen, dass nunmehr ganz NRW mit seinem Spartenprogramm abdecken kann. Der gerade bei jüngeren Leuten über Jahrzehnte beliebte britische Soldatensender wird statt dessen auf einige wenige Frequenzen auf kleineren Sendeanlagen umgeroutet. Dort sendet er dann mit deutlich geringerer Leistung und Reichweite.Wie sehr sich die Empfangssituation seit dem 02. August verschlechtert hat, zeigt eine Karte von bfgnet, die der offiziellen Pressemitteilung beigefügt ist.

Damit wir uns nicht mißverstehen: Deutschland Radio Kultur macht für seine Hörer kein schlechtes Programm – doch das war auch vorher für echte Interessenten problemlos zu empfangen. Mit dem Wechsel der Sendeplätze wird die Radiolandschaft in NRW jedoch ein gutes Stück ärmer und die tägliche Heimfahrt im Berufsverkehr ein gutes Stück langweiliger.

Ungeachtet anders lautender Infos hat sich neben den Frequenzen nämlich auch definitiv das Programm geändert. Besonders auffällig ist dies bei “BFBS Drivetime”, einer Sendung, die in der Vergangenheit in Herford produziert wurde. Statt dessen wird mittlerweile auf diesem Sendeplatz ein DAB-Programm von BFBS UK übernommen – d.h.:

… keine regionalen Verkehrsinfos mehr (- nein, die Infos des WDR sind einfach nicht vergleichbar, weil die von Staumeldern gemeldeten und vom ADAC kumulierten Daten grundsätzlich vom WDR-Verkehrsstudio ignoriert werden. Außerdem war das frühere “20/20 Update” meist schneller als die gerade mal halbstündlichen Meldungen des WDR -). Statt dessen sendet BFBS jetzt Staumeldungen von der M24. 🙁

… kein direktes Phone-In mehr möglich – wer ruft schon aus dem Auto auf einer Rufnummer in London an

… das Programm ist inhaltlich deutlich auf die regionalen, britischen Interessen zugeschnitten. Regionale Interessen aus BFG oder anderen Standorten kommen – freundlich ausgedrückt – deutlich zu kurz.

Früher war BFBS im Berufsverkehr mein Ausweichsender, wenn 1Live wieder einmal nur Hip-Hop und WDR 2 den gleichen Song zum fünften Mal in den letzten 8 Stunden spielte. Doch mit den neuen Sendern, die kurz oberhalb der Rasenkante mit kleiner Leistung senden, hat sich diese seit den 80er Jahren bei mir eingespielte Ausweichmöglichkeit nun leider erledigt. Und, sorry D-Kultur, aber langatmige Berichte von journalistischen Windbeuteln über ein Tanztheater irgendwo in der Provinz sind im Berufsverkehr keine ernstzunehmende Alternative…

So long, BFBS and thanks for countless hours of quality radio!

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