Tour de Farce im Berufsverkehr

Bei gutem Wetter sind sie wieder unterwegs. Hunderte von verhinderten Jan Ulrichs und Lance Armstrongs bevölkern wieder unsere Landstraßen und bringen sich und Andere in Lebensgefahr. Verkehrssichere Fahrräder? Fehlanzeige. Dafür ist jeder – natürlich – mit einem gelben Trikot und einem aufgeblasenen Ego ausgerüstet. Wer braucht auch schon Beleuchtung und Schutzbleche? Die sind doch nur etwas für Looser und verschlechtern den cw-Wert.
Seltsam nur, dass die Halterung für’s Handy offensichtlich einen vollkommen anderen Luftwiderstandswert haben muss, denn die fehlt bei kaum einem der wildgewordenen Kettenclowns.

Wer jetzt glaubt, dieses Fahrradballett gibt es nur auf Landstraßen, der irrt gewaltig. Denn auch mit innerstädtischen Radwegen ist man vor den irrlichternden Verkehrshindernissen in lächerlich engen Hosen keineswegs sicher. Schließlich sind Radwege der natürliche Feind der rasenden Hobbysportler. Wer ruiniert sich auch gerne die sündhaft teuren Schluffen seines rollenden Sportcoupés, wenn es gleich nebenan doch eine hervorragend ausgebaute Straße gibt ( so man so etwas in unserer Stadt überhaupt noch findet… ).

Und das Problem ist keineswegs neu. Schon vor über 10 Jahren wurde ich – damals noch am Steuer eines LKWs – von einem aufgeplusterten Fahrradrentner bei der Polizei angeschwärzt, weil ich meine 40 Tonnen nicht schnell genug in den nächsten Straßengraben gelenkt hatte. Denn auch dieses Eddie-Merckx-Double hatte den Radweg bewußt ignoriert, um in der Bergetappe am Elfrather Friedhof über alle Fahrspuren schwanken zu können – schnaufend wie eine alte Dampflok.

Dabei haben wir Autofahrer in dieser Jahreszeit ohnehin schon genug Probleme zu meistern. Denn unabhängig von rasenden Zweiräder sind im Moment auch wieder Heerscharen von Mähdreschern, Heuwendern, Treckern und “Road-Trains” mit zwei Anhängern, aber ohne anständigen Antrieb unterwegs. Klar habe ich Verständnis dafür, dass die Landwirte der Umgebung die finanzielle Unterstützung aus Brüssel durch den Auspuff jagen müssen, bevor die EU es sich wieder anders überlegt. Aber warum genau ging das nochmal nur morgens von 07:00 bis 09:00 und abends von 16:00 bis 18:00 Uhr..?

Und so zählt man an einem normalen Abend auf dem Heimweg von Grevenbroich nach Krefeld 9 Trecker zwischen Glehn und Korschenbroich. Dazu kommen gut zwei Dutzend Radfahrer, die einen an den unmöglichsten Stellen zu Vollbremsungen und irrwitzigen Ausweichmanövern zwingen, bei denen selbst erfahrene Stuntfahrer blass würden.

Und man hofft jeden Tag auf’s Neue, dass man heil zu Hause ankommt…

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